„Was mit Marketing“: Bienchen- und Blümchen-Ghostwriting

Dienstag, 04. Oktober 2016 11:46

Das Angebot an Ghostwritern, Ghostwriting- und Buchagenturen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Gerade Firmen in Dienstleistungsbranchen wie Software oder Consulting suchen fähige Schreiber, stoßen dann aber mitunter auf Anbieter, die „was mit Marketing“ oder „was mit Menschen“ machen wollen.

Die Folge: Anstatt eines professionellen, auf Produkt, Unternehmen und Marktumfeld konzentrierten Textes, der logisch strukturiert ist und vom Hintergrundwissen des Geists profitiert, kommt es zu einer Aneinanderreihung von Anekdoten und Belanglosigkeiten, die letztendlich vielleicht das Ego des Auftraggebers stärken, aber kaum einen Gedanken an die Leser und deren Interessen verschwenden.


Gerade im Wirtschaftsbereich – einem harten, kühlen und von Konkurrenz und Technik geprägten Umfeld – erhoffen sich Leser von einem Buch einen Nutzen, der sich später auch finanziell niederschlägt. Dieser Nutzen kann durch einen Wissensvorsprung des Autors zustande kommen oder aber durch Einblicke in die Methoden eines zuvor unbekannten Arbeitsfelds.


Stoßen die Leser dann auf ein Werk, das vor allem der Selbstbeweihräucherung des Auftraggebers,  seiner Lebensgeschichte oder der plumpen Werbung für seine Firma dient, so werden die  Hoffnungen enttäuscht. Wirtschaftstexte werden nicht durch einen großen Marketingrummel gut, nicht durch einen schönen Schriftsatz und, nein – auch nicht durch das Hinzufügen von Bienchen und Blümchen am Seitenrand.


Wirtschaftstexte erfordern Hintergrundwissen und akademische Recherchearbeit. Sie erfordern exakte, belegbare Informationen und die Fähigkeit von Tempo- und Perspektivwechseln. Gerade Beratungsunternehmen – denen die Methoden der Kundenkommunikation bestens bekannt sind – sollten sich nicht mit einem Stil und Inhalt zufriedengeben, der an Kinderbücher erinnert, der  lediglich die aktuell pulsierenden Schlagworte aneinanderreiht und dort, wo es auf Klarheit ankäme, plötzlich unbestimmt wird.


Nur wer als Auftraggeber eine klare Vorstellung von den Interessen und Bedürfnissen seiner Leserschaft hat, kann präzise Anforderungen stellen, die im Text erfüllt werden.