Ghostwriting: Immer wieder Österreich!

Dienstag, 08. November 2016 13:09

Die Nachrichten zum Thema „akademisches Ghostwriting“ sind manchmal karg, manchmal – wie zu Zeiten der Guttenberg-Affäre – üppig. Immer gilt jedoch: Österreich hat einen nicht zu verachtenden Anteil.

Die Gründe mögen vielfältig sein:

  • Versuchen deutsche Ghostwriter, den österreichischen Markt zu erobern, zumal es dem geübten Geist leichtfällt, „Januar“ durch „Jänner“ zu ersetzen und sich bei Bedarf Fachvokabular wie „Schlagobers“ anzueignen? (auch wenn dessen Bedarf in akademischen Werken eher gering ist)
  • Ist es die auf der k. u. k.-Tradition beruhende Titelsucht, die jeden Hausmeister zum Magister macht und die kaum eine höhere Wertschätzung kennt als „Frau Hofmarschall“?
  • Gibt es gesetzliche Unterschiede bei der Einschätzung des Handels mit akademischen Texten, die von den Agenturen ausgenutzt werden?
  • Ist es gar die Furcht vor einer Strafverfolgung durch deutsche Behörden, die den Fluchtweg nach Österreich ebnet, um die Spuren zu verwischen?
  • Ist das österreichische Mediensystem offener beim Umgang mit dem akademischen Ghostwriting? Läßt es sich hier besser skandalisieren? Man denke daran, daß viele der Fernsehberichte zum Thema ihren Ursprung in Österreich haben und nur gelegentlich, auf dem Umweg über verschämte, mitternächtliche 3Sat „Kultur“-Sendungen ihren Weg zum auf dem Sofa dösenden deutschen Zuschauer fanden.
  • Oder liegt es am offeneren und damit werbewirksameren Auftreten deutscher Agenturchefs

Auch die Schweiz profitiert offenbar von deutschen Ghostwritern, zumal für diese steuerliche Vorteile locken, während der Wechselkurs des Franken hier und da zusätzliche Anreize für dortige Kunden liefert, sich mit preiswerten Arbeiten aus dem Euro-Raum einzudecken.

Alles in allem ist das DACH-Gebiet also aus Sicht deutschsprachiger Texter und Ghostwriter einheitlich, egal ob die Zahlungen nun in Euro oder in einer echten Währung eintreffen. Wie auch immer: Als Piefke erlaube ich mir an dieser Stelle kein Urteil über den Alpenbewohner an sich. Außer einem positiven natürlich: Ich habe ihn als netten Kunden, aber auch als engagierten Journalisten kennengelernt. Auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit!